Business Impact Analyse
Business Impact Analyse (BIA) am Prozess. Ablauf, Schadensmatrix, Ableitung von MTPD/RTO/RPO und auditfeste Freigabe
Eine Business Impact Analyse (BIA) beantwortet für einen Prozess eine einfache, aber zentrale Frage:
Die Kernfrage
„Wenn dieser Prozess ausfällt: wie schlimm wird es, und wie schnell?"
Aus dieser Bewertung leitet Kopexa die zentralen Notfallkennzahlen ab, die dein Business-Continuity-Management (BCM) braucht:
- MTPD (Maximum Tolerable Period of Disruption): Wie lange darf der Prozess maximal ausfallen, bevor der Schaden untragbar wird?
- RTO (Recovery Time Objective): Bis wann muss der Prozess wieder laufen?
- RPO (Recovery Point Objective): Wie viel Datenverlust ist tolerierbar?
- Kritikalität: wie geschäftskritisch der Prozess insgesamt ist (Unkritisch, Wesentlich oder Kritisch).
Das Vorgehen orientiert sich an ISO 22301 und BSI-Standard 200-4. Die BIA ist versioniert und auditfest: eine freigegebene BIA lässt sich nicht mehr verändern und dient als Nachweis (SOC 2, ISO 27001, NIS2, BSI).
Wo finde ich das?
Am Prozess selbst, im Bereich Geschäftskontinuitätsmanagement (BCM) („Notfallmanagement und Wiederanlaufzeiten"). Über die Schaltfläche Business Impact Analyse öffnest du die aktuelle BIA oder legst die erste an. Der Bereich zeigt außerdem die BCM-Klasse des Prozesses sowie die abgeleiteten Kennzahlen und die komplette Versionshistorie.

Ein Klick öffnet die BIA-Übersicht mit Status, den abgeleiteten Kennzahlen und der Versions-Historie:

Einmalige Vorbereitung (Space-Einstellungen)
Bevor du BIAs erstellst, richtet ein Admin einmal die Bewertungsgrundlagen im Space ein:
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Bewertungsskalen: die Schadens-Dimensionen (z. B. Finanzen, Reputation, rechtliche Folgen, Betrieb) und ihre Stufen mit Score (z. B. 1 = gering bis 5 = existenzbedrohend). Diese Skala gilt für alle BIAs im Space. Optional kannst du je Dimension eine eigene Intoleranzstufe setzen (siehe unten).

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BIA-Konfiguration
- Zeitfenster: die Zeitpunkte nach einem Ausfall, an denen der Schaden bewertet wird (z. B. 1 Std, 4 Std, 24 Std, 3 Tage, 1 Woche).
- Intoleranzschwelle: ab welchem Schaden-Score ein Ausfall als nicht mehr tolerierbar gilt. Dieser Wert steuert die MTPD-Ableitung (BSI-Standardwert: 5). Er gilt space-weit als Standard.
- Freigabe: ob die Freigabe im 4-Augen-Prinzip erfolgt (Standard) oder ob Self-Approve erlaubt ist (siehe „Freigabe-Ablauf").

Intoleranz je Dimension (optional)
Nicht jede Dimension „kippt" beim selben Score: ein finanzieller Schaden kann schon ab Stufe 4 („Kritisch") untragbar sein, während Reputationsschaden erst ab Stufe 5 zählt. Deshalb kannst du in den Bewertungsskalen pro Dimension eine eigene Intoleranzstufe hinterlegen. Ist sie gesetzt, gilt sie für diese Dimension; ist sie leer, greift die space-weite Standardschwelle als Fallback.
Effektive Schwelle einer Dimension = ihre eigene Stufe, sonst der Space-Standard. Ein Zeitfenster gilt als intolerabel, sobald irgendeine Dimension darin ihre eigene Schwelle erreicht.
Diese Grundlagen sind pro Space konfigurierbar und werden für neue Spaces automatisch mit sinnvollen Standardwerten vorbelegt.
Der Ablauf (BIA-Assistent)
Eine neue BIA legst du am Prozess an. Kopexa übernimmt dabei Stammdaten aus dem Prozess (Verantwortlicher, Beschreibung, Zweck), damit du nicht doppelt tippst. Ein Assistent führt dich Schritt für Schritt durch die Bearbeitung:
- Scoping (Was bewerten wir?): Verantwortlicher, Hauptaktivitäten, Empfänger der Leistung, Saisonalität und Spitzenzeiten.
- Schadensmatrix (der Kern): für jede Dimension × jedes Zeitfenster wählst du die passende Skalenstufe. So entsteht ein Bild davon, wie ein Ausfall über die Zeit eskaliert (z. B. nach 1 Std noch gering, nach 24 Std existenzbedrohend).
- RPO & MBCO: tolerierbarer Datenverlust (RPO) und das Minimum Business Continuity Objective, also das Mindest-Niveau, auf dem der Prozess im Krisenmodus weiterlaufen muss.
- BCM-Werte: Kopexa schlägt ein MTPD aus der Matrix vor; du legst das RTO fest. Der Assistent prüft die Plausibilität (RTO darf nie größer als das MTPD sein).
- Ressourcen (folgt später): was der Prozess zum Wiederanlauf braucht (IT-Systeme, Schlüsselpersonen, Standorte, Dienstleister, Daten).
- Abschluss & Freigabe: Zusammenfassung, dann Freigeben.

Solange die BIA im Entwurf ist, kannst du alles frei ändern. Sie zeigt immer die aktuellen Skalen- und Zeitfenster-Texte.
Wie wird das MTPD abgeleitet?
Kopexa prüft je Zeitfenster, ob irgendeine Dimension ihre effektive Intoleranzschwelle erreicht (die eigene Dimensionsschwelle, sonst der Space-Standard). Das MTPD ist das größte Zeitfenster, das noch für alle Dimensionen tolerierbar ist.
- Ist schon das kleinste Zeitfenster für eine Dimension intolerabel, dann ist das MTPD = 0.
- Erreicht keine Dimension in keinem Zeitfenster ihre Schwelle, gibt es kein hartes MTPD.

Vorschlag, nicht Vorschrift
Der abgeleitete MTPD-Wert ist nicht bindend: bei Saisonalität oder nicht-linearer Eskalation kannst du das MTPD manuell übersteuern (mit Begründung). In der BIA ist ein solcher Wert als manuell übersteuert gekennzeichnet, ein automatischer als aus Matrix abgeleitet.
Die Kritikalität ergibt sich daraus, ob eine Dimension ihre effektive Schwelle erreicht (dann Kritisch) oder eine Stufe darunter liegt (dann Wesentlich), unabhängig vom zeitlichen Timing. Ein Prozess kann also geschäftskritisch sein, ohne besonders zeitkritisch zu sein.
Freigabe-Ablauf (4-Augen oder Self-Approve)
Wie eine BIA final freigegeben wird, steuert ein Space-Setting:
- 4-Augen-Prinzip (Standard): Am Ende des Assistenten reichst du die BIA zur Freigabe ein (Status In Prüfung). Danach gibt eine andere Person sie frei (Freigeben) oder lehnt sie mit Kommentar ab (Ablehnen, zurück zum Entwurf). Der Einreicher kann seine Einreichung auch zurückziehen. Freigeben und Einreichen durch dieselbe Person wird verhindert.
- Self-Approve (optional): Ist „Self-Approve erlauben" aktiv, endet der Assistent direkt mit Freigeben. Du gibst deine eigene BIA in einem Schritt frei, ohne separaten Prüfer. Sinnvoll für kleine Teams oder Einzel-Admins.
Was passiert bei der Freigabe?
Mit der Freigabe wird die BIA verbindlich. Kopexa führt automatisch aus:
- Plausibilitätsprüfung: RTO ≤ MTPD; bei kritischen Prozessen sind Begründungen für RTO und RPO Pflicht. Schlägt eine Prüfung fehl, wird die Freigabe blockiert.
- Snapshot einfrieren: die verwendeten Skalen- und Zeitfenster-Werte werden hart in die BIA kopiert. So bleibt der Nachweis korrekt, selbst wenn die Skala später geändert wird.
- Kennzahlen ableiten: MTPD und Kritikalität werden aus der Matrix bestimmt.
- Auf den Prozess übertragen: MTPD/RTO/RPO und die BCM-Klasse des Prozesses werden aus der BIA gesetzt. Ab jetzt ist die BIA die Quelle dieser Werte.
- Vorherige Version archivieren: die bisher freigegebene BIA wird zur abgelösten (read-only) Historie.
Änderungen an einer freigegebenen BIA
Eine freigegebene BIA ist unveränderlich. Willst du etwas ändern, erstellst du eine neue Version (sie übernimmt die Werte der aktuellen als Entwurf).
Rückwärtskompatibilität (bestehende Prozesse)
Prozesse, deren MTPD/RTO/RPO manuell gepflegt sind, bleiben unverändert und weiter manuell editierbar, solange keine BIA freigegeben ist. Erst mit der ersten Freigabe übernimmt die BIA diese Felder; danach sind sie „aus der BIA abgeleitet" und werden nicht mehr von Hand geändert (dafür gibt es die neue Version). Es gibt keine erzwungene Migration bestehender Daten.
Versionen & Historie
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| Entwurf | In Arbeit, frei editierbar. |
| In Prüfung | Zur Freigabe eingereicht, inhaltlich gesperrt; wartet auf Freigabe oder Ablehnung durch eine andere Person (nur im 4-Augen-Modus). |
| Freigegeben | Die aktuell gültige BIA, unveränderlich. |
| Abgelöst | Frühere freigegebene Versionen, read-only als Audithistorie (zeigen die eingefrorenen Snapshot-Werte von damals). |
Begriffe kurz erklärt
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| MTPD | Maximal tolerierbare Ausfalldauer, bevor der Schaden untragbar wird |
| RTO | Zielzeit für den Wiederanlauf des Prozesses |
| RPO | Maximal tolerierbarer Datenverlust (Zeit) |
| MBCO | Mindest-Betriebsniveau im Krisenmodus |
| Zeitfenster | Zeitpunkt nach dem Ausfall, an dem der Schaden bewertet wird |
| Schaden-Score | Zahlenwert einer Skalenstufe (z. B. 1 bis 5) |
| Intoleranzschwelle | Score, ab dem ein Ausfall als untragbar gilt (space-weit als Standard, optional je Dimension übersteuerbar) |
| Kritikalität | Geschäftskritikalität des Prozesses (aus dem Max-Schaden) |
Wer darf was?
BIAs anlegen, bearbeiten, einreichen und freigeben dürfen Space-Mitglieder mit der Rolle Mitglied oder Administrator. Die Rolle Betrachter hat ausschließlich Lesezugriff auf die BIA und ihre Historie.
Die einmaligen Bewertungsgrundlagen (Bewertungsskalen, Zeitfenster und BCM-Einstellungen inklusive Self-Approve-Modus) richtet dagegen ein Administrator ein.
Im 4-Augen-Modus (Standard) muss der Freigebende eine andere Person sein als der Einreicher; ein Ein-Personen-Space kommt so nicht durch. Für solche Fälle aktiviere Self-Approve (siehe „Freigabe-Ablauf"), dann darf dieselbe Person einreichen und freigeben.